2019 M02 12 - 12:44 Uhr

Der Verstoßene greift an

Es war Bernd Lucke, der einst die AfD gegründet hat. Dann wandte sich seine Partei gegen ihn und bootete ihn aus. Jetzt schreibt Lucke einen Brandbrief an die Mitglieder in der AfD, in dem er sie an ihrer empfindlichsten Flanke packt.

„Die AfD fischt am rechten Rand“

Mit ihrer Kritik an der Flüchtlingspolitik hat es die AfD in alle Landtage und den Bundestag geschafft – und sie fischt mitunter unverblümt am rechten Rand. So sieht es zumindest Parteigründer Bernd Lucke. Er fordert die Mitglieder nun auf, sich von den Rechtsextremen in ihren Reihen zu distanzieren. "Brechen Sie mit den Rechtsextremisten in der AfD! Grenzen Sie sie aus und fordern Sie sie auf, Ihre Partei zu verlassen", schreibt er in einem Brandbrief.

Von der Staatspleite zur Flüchtlingsfrage

Bernd Lucke, das ist der Wirtschaftsprofessor, der mit der Alternative für Deutschland einst gegen die kostspielige Eurorettung zu Felde zog. Damals redete noch kaum jemand über Flüchtlinge, es ging um die Staatspleite in Griechenland und den Euro selbst. Das ist lange her. Lucke verließ die Partei 2015, nachdem eine Dame namens Frauke Petry ihn ausgebootet hatte. Die AfD rückte nach rechts, konzentrierte sich auf die Flüchtlingsfrage.

„Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig“

Jetzt also dieser Brief von Lucke. Wer noch Zweifel an der Gesinnung dieser Parteimitglieder habe, müsse nur das AfD-Gutachten des Verfassungsschutzes lesen. "Warum lassen Sie es zu, dass die Rechtsextremen bei Ihnen eine Heimstatt gefunden haben?", schreibt der Professor. Und: "Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig." Nicht nur Holocaust-Leugner und Skinheads seien rechtsextrem, sondern auch Deutsche, die sich "über Menschen anderer Herkunft erheben, nur weil diese nicht deutsch sind".

Ordnung im eigenen Haus schaffen

Lucke schlägt moderaten AfD-Mitgliedern vor, Funktionäre wie den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke, den Bundestagsabgeordneten Thomas Seitz, den sächsischen Landtagsabgeordneten Jörg Urban und den Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz immer wieder öffentlich zum Parteiaustritt aufzufordern. Er schreibt: "Machen sie Ordnung im eigenen Haus, indem Sie zumindest sagen, wo es stinkt."

Lucke und Petry - zwei Ex-AfD-Mitglieder, ein Schicksal

Lucke hat übrigens mittlerweile eine neue Partei gegründet. Erst hieß sie Alfa, nun LKR. Das steht für Liberal-Konservative Reformer. Und richtig, Frauke Petry ist in der AfD auch schon wieder weg vom Fenster. Auch sie gründete eine neue Partei ("Die Blauen"). Sie hat mit Luckes LKR gemeinsam, dass sie kaum jemand kennt.