11. Februar 2019 - 6:14 Uhr

Rund drei Millionen Kinder leben bei suchtkranken Eltern

Gewalt, Alkohol und Missbrauch prägen ihren Alltag: Laut Schätzungen der Bundesregierung leben rund drei Millionen Kinder bei suchtkranken Eltern. Nach außen geben sich viele unauffällig, um die Eltern zu schützen. Gleichzeitig müssen sie viel zu früh Verantwortung übernehmen, die sie permanent überfordert. Auch Annett Leander ging es so.

"Ich war immer auf mich allein gestellt"

Ihre Eltern waren ständig betrunken. "Als Kind war ich immer auf mich allein gestellt, habe von Anfang an die Mutterrolle für meine Schwester übernommen, die vier Jahre jünger ist." Eine Rolle, der Annett Leander selbst nicht gewachsen war. Die Folge: Permanente Überforderung. Dazu wurde ihr ständig die Krankheit ihrer Eltern vor Augen geführt. "Es stand immer Alkohol irgendwo", so Leander.

Sucht noch oft ein Tabuthema

Wie auch ihre Eltern sind die meisten der suchtkranken Eltern in Deutschland alkoholabhängig. Rund 2,6 Millionen Kinder wachsen in einer Familie auf, in der die Eltern ein Alkoholproblem haben, schätzt die Bundesregierung. Weitere 60.000 sind drogensüchtig. Hinzu kommen Spiel-, Sex- oder Arbeitssucht. Trotz dieser erschreckenden Zahlen wird Kinder suchtkranker Eltern oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt. ""Es ist immer so eine Art Tabuthema. Keiner guckt dahin, und wenn jemand das mitbekommt, dann wird das nicht weitergeleitet, das gibt es noch viel zu oft", sagt Leander. Erst als sie neun Jahre alt ist, handelt das Jugendamt und veranlasst, dass sie in ein Heim kommt.

Um den Kummer zu betäuben, wird rund ein Drittel der Kinder suchtkranker Eltern später selbst abhängig. Ein weiteres Drittel bekommt massive psychische oder soziale Probleme. Annett Leander hat es geschafft, den Teufelskreis zu durchbrechen. Sie lebt heute in einer stabile Partnerschaft mit einem acht Monate alten Sohn.