16. April 2019 - 9:53 Uhr

Siegel macht auf Tierhaltung aufmerksam

Lieber eine günstige Wurst als ein glückliches Tier? Auf offener Straße würde das weit mehr als die Hälfte der Bundesbürger abstreiten, aber Taten sprechen mehr als Bände: Forscher der Uni Osnabrück fanden im Feldversuch heraus, dass sich im Supermarkt 73 Prozent der Kunden für das günstigste Produkt entschieden - obwohl sie über die katastrophalen Haltungsbedingungen informiert worden waren, die den Preis erst möglich machten. Großen Supermarktketten und Discounter haben vor kurzem ein freiwilliges Siegel eingeführt, dass Verbrauchern zeigen soll, wie gut es die Tiere vor der Schlachtung hatten. Darüber diskutierte Moderator Frank Plasberg am Montagabend mit seinen Gästen bei "Hart aber fair".

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

  • Sarah Wiener, Fernsehköchin: "Wir sind so erzogen, dass wir essen müssen, und deswegen darf es nichts kosten. Wir sind von einer Industrie Verführte, die uns weismacht, dass Geiz geil ist."
  • Manfred Karremann, Dokumentarfilmer: "Label haben noch nie funktioniert, das war bei den Eiern schon nicht anders: 95 Prozent haben gesagt, sie kaufen die höhere Qualität, fünf Prozent haben es dann getan."
  • Albert Stegemann, Landwirt und CDU-Politiker: "Wir dürfen das neue Label nicht zerreden, weil es eine großartige Chance für Verbraucher und Landwirte bietet. Dass ich für etwas mehr Tierwohl nur etwas mehr bezahlen muss, das ist ja die Grundidee."
  • Patrick Baboumian, vegan lebender Kraftsportler: "Im Tierschutzgesetz steht, dass es einen vernünftigen Grund für Tierleid geben muss. Profit ist für mich kein vernünftiger Grund."
  • Sarah Dhem, Wurst-Unternehmerin: "Wenn die Politik sagt, dass die Gesetze nicht in Ordnung sind, wie sie sind, dann ist sie auch gefragt, das so zu ändern, dass Landwirte weiter wirtschaftlich arbeiten können. Ein freiwilliges Siegel löst das Problem nicht."

Das Fazit

Die Lebensbedingungen für Nutztiere müssen besser werden, da sind sich alle Talkgäste einig. Doch wie, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eines ist allerdings klar: Günstiges Fleisch und ein gutes Gewissen, das passt in Zukunft wohl nicht mehr zusammen.