10. Februar 2019 - 19:03 Uhr

"Ich halte von dieser Studie nichts"

Es gibt heftigen Gegenwind, doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lässt sich nicht von seinem Plan abbringen. Für eine Studie zu den seelischen Folgen von Abtreibungen soll sein Ministerium von 2020 bis 2023 jeweils 1,25 Millionen Euro zusätzlich bekommen.

Psychische Probleme nicht allein durch Abtreibung

Die Regierung habe sich "in einer geheimen Nebenabsprache" darauf geeinigt, berichtet die "Bild am Sonntag". Insgesamt gibt das Bundeskabinett für die Studie in den nächsten Jahren fünf Millionen aus dem Steuertopf frei. In der SPD löst das Kopfschütteln aus. "Ich halte von dieser Studie nichts", sagte Familienministerin Franziska Giffey bei "Anne Will". Es sei oft genug festgestellt worden, dass psychische Probleme nicht von Abtreibungen allein kämen. Das Problem seien vorherige psychische Belastungen und die Stigmatisierung der Frauen.

Union wollte Werbeverbot für Abtreibungen nicht lockern

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil. Themen sind unter anderem ein Gesetzentwurf zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch in
Das Haus von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekommt fünf Millionen zusätzlich.
© dpa, Kay Nietfeld, nie gfh

In der Tat gibt es laut einer amerikanischen Langzeituntersuchung keine weitreichenden seelischen Folgen bei Abtreibungen. Die 2016 beendete Studie mit 956 Teilnehmern hatte das psychologische Befinden von Frauen, die abgetrieben hatten, mit dem Befinden von Frauen, deren Abtreibung verhindert wurde, miteinander verglichen. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass es den Frauen, die abtreiben konnten, nach fünf Jahren genauso gut oder besser ging, als den Frauen in der Vergleichsgruppe.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch die Lockerung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche verabschiedet. Die SPD wollte den Paragrafen abschaffen, wie auch Grüne, Linke und die FDP - die Union wollte das nicht. Der über Monate mühsam ausgehandelte Kompromiss besagt: Das Werbeverbot bleibt, wird aber ergänzt. Ärzte und Kliniken dürfen demnach künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Für weitergehende Informationen müssen sie allerdings auf Behörden und Beratungsstellen verweisen.

Die Union hatte angekündigt, den Gesetzesentwurf ganz genau prüfen zu wollen. Dazu gehört auch Spahns Plan, seelische Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen untersuchen zu wollen.