15. März 2019 - 10:14 Uhr

Frischlinge und Routiniers

Hamilton gegen Vettel, fünfmaliger Weltmeister gegen viermaligen Champion, Silber gegen Rot: Vor dem Start in die Formel-1-Saison 2019 dreht sich naturgemäß fast alles um die beiden Superstars. Doch im (Wind-)Schatten der Dauerrivalen kämpfen zahlreiche interessante Piloten um Ruhm, Siege, Punkte - und teilweise auch um ihre Zukunft in der Königsklasse.

Charles Leclerc

Wird der höfliche Monegasse zum Karrierekiller von Sebastian Vettel? Nicht wenige Experten halten das für durchaus vorstellbar. Und Leclerc, 21 Jahre jung und gerade einmal 21 Formel-1-Rennen erfahren, trat seinen Posten als Vettel-Teamkollege bei der Scuderia alles andere als unterwürfig an. Offensiv verkündete er, so schnell wie möglich Rennen gewinnen zu wollen. Diese Ansage unterfütterte er mit starken Leistungen bei den Testfahrten.

Anders als Vorgänger Kimi Räikkönen, der für Vettel mehr Adjutant als Kontrahent war, könnte Leclerc dem viermaligen Champion aus Heppenheim ein aufreibendes Stallduell aufzwingen. Heißt der Sieger Leclerc, stünde Vettels Zukunft bei Ferrari trotz Vertrags bis 2020 wohl in den Sternen.

Valtteri Bottas

Der Stoiker aus dem finnischen Nastola hat sich einen kantigen Look zugelegt. Mit Zehn-Tage-Bart präsentierte sich Bottas bei den Tests vor der Saison und machte auch verbal deutlich, dass er aggressiver auftreten will. Tatsächlich muss der 29-Jährige in seinem dritten Mercedes-Jahr mehr sein als eine verlässliche Nummer zwei, die nur ab und an schneller ist als Weltmeister Lewis Hamilton. Bottas' Vertrag läuft mal wieder aus, eine weitere Saison ohne Sieg wird er sich kaum erlauben können. In Esteban Ocon verfügt Mercedes zudem über ein Ass im Ärmel: Der hochveranlagte Franzose war bei der Cockpitlotterie für 2019 unter beinahe lächerlichen Umständen leer ausgegangen, er könnte jederzeit Bottas' Silberpfeil übernehmen.

Max Verstappen

Irgendwie hat man alljährlich im Herbst das Gefühl, dass Max Verstappen in der neuen Saison an der Reihe ist. Nur: Individuelle Fehler, die für einen erst 21-Jährigen (!) durchaus typisch sind, und Unzulänglichkeiten beim Material ließen die WM-Chancen von "Mad Max" oft im Frühjahr schon regelmäßig auf ein Minimum schrumpfen. Auch 2019 wird sich Verstappen wohl gedulden müssen. Red Bulls neuer Motorenpartner Honda hat zwar augenscheinlich den Rückstand auf Mercedes und Ferrari verkürzt, doch hinter der Zuverlässigkeit der Power Unit stehen dicke Fragezeichen. Für das Supertalent wird es wohl wieder "nur" um einzelne Siege gehen. Verstappens größter Verbündeter ist aber die Zeit: Die Platzhirsche Hamilton (34) und Vettel (31) sind schon im Herbst ihrer Karrieren angelangt.

Nico Hülkenberg

156 Formel-1-Rennen, kein Sieg, nicht einmal ein Podestplatz - so liest sich eigentlich nicht die Bilanz eines Top-Piloten. Doch genau dieser Ruf eilt Hülkenberg voraus. Allein: Nie hatte der Rheinländer bis dato ein Auto für die absolute Spitze. Das dürfte sich auch 2019 kaum ändern. Dafür muss sich der 31-Jährige bei Renault in diesem Jahr gegen einen Teamkollegen behaupten, der sehr wohl auch als Messlatte für Hülkenbergs Klasse herhalten darf. DANIEL RICCIARDO ist siebenmaliger Grand-Prix-Sieger, bei Red Bull entzauberte der Australier 2014 den damals amtierenden Weltmeister Vettel, mit Megatalent Max Verstappen lieferte er sich 2016 und 2017 ein Stallduell auf Augenhöhe. Geht Hülkenberg aus diesem Vergleich als Sieger hervor, so dürfte dies auch bei den Top-Teams registriert werden.

Robert Kubica

Es ist das Formel-1-Märchen des Jahres. Acht Jahre nach seinem Horror-Unfall als Rallye-Gaststarter schenkt Williams dem mittlerweile 34-jährigen Polen das Vertrauen - obwohl sein rechter Arm nie wieder derselbe sein wird wie vorher. Doch nicht aus diesem Grund wird sich Kubica wohl zunächst am Ende des Feldes wiederfinden: Sein Williams FW42 wurde als letztes Auto fertig und hinkt beim Speed deutlich hinterher. Kubicas Leistung wird an der seines Teamkollegen George Russell gemessen werden. Der 21-Jährige gilt ebenso wie die anderen beiden Neulinge Lando Norris (19/McLaren) und Alex Albon (22/Toro Rosso) - allesamt Briten - als Top-Talent.

Kimi Räikkönen

Der "Iceman" hat noch nicht genug! Auf seine Ausbootung bei Ferrari zum Ende der abgelaufenen Saison reagierte der Altmeister (39) und Ex-Weltmeister keineswegs mit dem Rücktritt, sondern dem Wechsel zum vergleichsweise kleinen Team Alfa Romeo (ehemals Sauber). Zweifler am Sinn dieser Entscheidung gibt es viele. Es ist an dem gleichermaßen kauzigen wie kultigen Finnen, sie Lügen zu strafen.

SID/RTL.de