2019 M01 25 - 7:17 Uhr

Dramatischer Machtkampf zwischen zwei Präsidenten in Venezuela

In Venuezuela eskaliert die Lage. Parlamentspräsident Juan Guaidó erklärt sich zum Staatschef und will Präsident Nicolas Maduro stürzen - und hat US-Präsident Donald Trump und wichtige Nachbarländer auf seiner Seite.

Militär stellt sich auf Maduros Seite

Venezuela, Präsident Maduro während Zeremonie im Obersten Gericht in Caracas Venezuelan President Nicolas Maduro (C) arrives at the opening ceremony of the judicial year, in Caracas, Venezuela, 24 January 2019. Maduro received the endorsement of Supr
Venezuela Präsident Maduro hat das Militär auf seiner Seite.
© imago/Agencia EFE, Cristian Hernandez, imago stock&people

Ein Land, zwei Präsidenten - von der jeweiligen Gegenpartei aber nicht anerkannt. Das ist der aktuelle Status Quo in Venezuela. Juan Guaidó, der erst am 5. Januar zum Parlamentspräsidenten vereidigt wurde und seit Mittwoch von weiten Teilen des Volkes als neuer Machthaber gefeiert wird, bekommt auch international breite Unterstützung: Allen voran von den USA.

Der sozialistische Staatspräsident Maduro sieht ihn hingegen als Marionette des imperialistischen Washington. Sowohl die Armee als auch der oberste Gerichtshof des Landes würden niemals einen Präsidenten anerkennen, der von - so wörtlich - dunklen Mächten gelenkt werde. Und auch Maduro selbst bemüht dieses Feindbild: "Wird in Venezuela fortan der Präsident von Washington gewählt? Die USA wollen unsere Republik zersetzen. Sie wollen unsere Nation und das Konzept der Demokratie an sich vernichten", sagte er am Mittwoch.

Während es in vielen Städten weiter zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Armee und Demonstranten kommt, hat Washington nun den UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen - was das höchste Gremium der Weltgemeinschaft jetzt tun kann, ist noch nicht klar.

Maduro spricht Beziehungen zu den USA ab

FILE PHOTO: Juan Guaido, President of Venezuela's National Assembly, holds a copy of Venezuelan constitution during a rally against Venezuelan President Nicolas Maduro's government and to commemorate the 61st anniversary of the end of the dictatorshi
Juan Guaidó fordert Maduro heraus.
© REUTERS, Carlos Garcia Rawlins, /FW1F/Paul Simao

Der umstrittene Staatschef Maduro hat am Mittwoch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu den USA verkündet und alle US-Diplomaten zum Verlassen des Landes aufgefordert. Die USA hatten das zurückgewiesen. Washington erkennt Maduro nicht mehr als Präsidenten an und unterstützt im Machtkampf in Venezuela den oppositionellen Parlamentspräsidenten Guaidó, der sich zum Interimspräsidenten erklärt hat. Dieser betonte inzwischen, er könne sich eine Amnestie-Regelung für Maduro vorstellen, wenn Venezuela zur verfassungsmäßigen Ordnung zurückkehre.

Nach einer Initiative von Mexiko und Uruguay für einen neuen politischen Dialog in Venezuela hat sich Präsident Nicolás Maduro indes offen für Gespräche mit der Opposition gezeigt.

Bereits 26 Tote bei Demonstrationen

Zehntausende Menschen waren in den vergangenen Tagen bei der Großdemonstration gegen die sozialistische Regierung auf die Straßen gegangen. Dabei war es auch zu Zusammenstößen gekommen, die Polizei feuerte Tränengasgranaten und Gummigeschosse in die Menge. Die Zahl der Toten hat sich dabei nach Angaben von Aktivisten deutlich erhöht. Seit Montag seien 26 Menschen getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle für soziale Konflikte mit.