12. Februar 2019 - 10:37 Uhr

Mehr Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern nötig

Im Moment geht es der deutschen Wirtschaft gut. Damit das auch so bleibt, muss sich aber einiges tun, sonst gehen der Bundesrepublik die Arbeitskräfte aus. Deutschland braucht langfristig mindestens 260.000 Zuwanderer pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kam eine Bertelsmann-Studie. Um den Bedarf zu decken muss Deutschland vor allem Migranten aus Nicht-EU-Ländern gewinnen.

Ohne Migration bleibt bald jeder dritte Arbeitsplatz unbesetzt

Die Deutschen werden immer älter. Bis 2060 könnten dem deutschen Arbeitsmarkt rund 16 Millionen Menschen fehlen, meinen die Autoren der Studie. Jeder dritte Arbeitsplatz könnte dann nicht mehr besetzt werden – ein Desaster für die deutsche Wirtschaft. Diese Lücke lasse sich nur durch Migranten decken, so die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung und der Hochschule Coburg.

Doch genau da droht aus Sicht der Forscher das nächste Problem. Sie gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftskraft und die Lebensqualität in den EU-Staaten in den nächsten Jahren immer weiter angleichen werden. Dadurch würden immer weniger EU-Bürger den Reiz verspüren, nach Deutschland auszuwandern, so die Wissenschaftler. Im Moment sind es noch genug – 2017 kamen rund 250.000 EU-Bürger zum Arbeiten nach Deutschland. Doch das bleibt wahrscheinlich nicht so.

Deutschland muss vor allem Fachkräfte anlocken

Deutschland muss also sehen, dass mehr Fachkräfte aus Ländern außerhalb der EU einwandern. Im Schnitt seien 114.000 Zuwanderer aus der EU und 146.000 Zuwanderer aus Drittstaaten erforderlich, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, rechneten die Forscher. Nur dann ließe sich der Rückgang auf ein "für die Wirtschaft verträgliches Maß" begrenzen. Darum solle möglichst schnell ein Einwanderungsgesetz verabschiedet werden, forderte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. 

Schon jetzt fehlen in vielen Regionen und Branchen qualifizierte Fachkräfte. Wenn ab 2025 immer mehr Baby-Boomer in Rente gehen, wird sich die Situation weiter verschärfen. Um alle diese Stellen nachbesetzen zu können, braucht Deutschland vor allem gut ausgebildete Migranten. Viele der Einwanderer, die im Moment nach Deutschland kommen, übernehmen nur Hilfstätigkeiten. Es gibt zu wenige, die als Fachkräfte und Spezialisten arbeiten. Viele haben gar keine Berufsausbildung. "Hinsichtlich der Qualifikation der Migranten wäre also noch einiges zu leisten", sagen die Autoren der Studie.