11. Februar 2019 - 13:45 Uhr

Das könnte der Grund sein

Das war schon peinlich für die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer: Bei einem Treffen der Union leistet sie sich einen Patzer. Sie nennt die Parteifreunde von CDU und CSU doch tatsächlich "Sozialdemokraten". Der Versprecher könnte einen ganz bestimmten Grund haben.

"Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten..."

Annegret Kramp-Karrenbauer wollte mit ihren Parteifreunden von der CDU und CSU eigentlich über Flüchtlinge sprechen - doch jetzt sprechen alle über sie und ihren Versprecher. "Und ich freue mich insbesondere, dass wir das nicht nur als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten heute Abend hier unter uns tun …", sagte sie Sonntagabend bei einem Treffen der Union in Berlin. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten? Da stimmt doch was nicht! Genau, denn es handelte sich um eine Veranstaltung von CDU und CSU. Und auch wenn die Parteien sich für manche immer weniger unterscheiden, den Namen teilen sie noch nicht.

Und die Folge? Ein Shitstorm? Nein, da standen die Parteifreunde drüber. CDU-Jungstar und Gesundheitsminister Jens Spahn lächelte breit, aber einigermaßen milde, insgesamt herrschte Erheiterung vor. Kann ja mal passieren. Wobei, sollte es eigentlich nicht, aber Schwamm drüber, so könnte man die Stimmung zusammenfassen.

AKK will Flüchtlingsfrage klären

Es gab ja auch Wichtigeres zu besprechen. Die Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre zum Beispiel. Darüber wird auch in der Partei heiß diskutiert. Die einen halten es mit Kanzlerin Angela Merkel und sagen, dass es richtig war, dass Hunderttausende Menschen aufgenommen wurden. Die anderen finden, dass zu viele Flüchtlinge aufgenommen wurden. Diese Meinung haben vor allem viele in der CSU – wie der Dauerstreit der beiden Schwesterparteien im vergangenen Jahr zeigte. Darüber will Kramp-Karrenbauer nun reden. Und da dabei auch gearbeitet werden soll, hat sie das ganze "Werkstattgespräch" genannt. Sonntagabend war der Auftakt, jetzt soll es ans Eingemachte gehen.

Darum fehlt Angela Merkel

Annegret Kramp-Karrenbauer und Merkel
Angela Merkel fehlte beim "Werkstattgespräch".
© deutsche presse agentur

Interessant daran: Angela Merkel ist nicht dabei. Und damit ausgerechnet diejenige, die für die Flüchtlingspolitik steht wie kaum jemand anderes. Das ist aber auch genau einer der Gründe, warum sie nicht dabei ist. So können die Mitglieder offener sprechen und offener kritisieren, als wenn immer die Kanzlerin daneben säße. Außerdem gilt: Seit Merkel nicht mehr Parteichefin ist, bereitet sich die Partei auf die Zeit nach ihr vor. Daher muss sie nicht unbedingt dabei sein, wenn es um die Zukunft geht.

Rauft die Union sich wieder zusammen?

Vielleicht hat sich Kramp-Karrenbauer ja auch so unglücklich versprochen, weil sie der Streit in der Union an die Sozialdemokraten erinnert. Denn die fetzen sich seit Jahren über die Hartz-IV-Reform unter Kanzler Gerhard Schröder. Was auch ein Grund ist, warum die SPD im Vergleich zu früher nur noch viel weniger Menschen wählen würden. Kramp-Karrenbauer will verhindern, dass das Flüchtlingsthema CDU und CSU genauso zerreißt wie Hartz IV die SPD. Mit ihrem Werkstattgespräch wollen sich CDU und CSU also wieder zusammenraufen. Ob es ihnen gelingt, werden wir in den kommenden Monaten erleben.